Farébersviller St-Jean-Baptiste

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Was Sie über diese Kirche wissen müssen

Église St-Jean-Baptiste Farébersviller

Wo Sie diese Kirche finden

Kircheninformationen

Die Église St-Jean Baptiste befindet sich in Farébersviller, einer Kleinstadt im Département Moselle in Frankreich, etwa 7 km südlich der Grenze zu Deutschland und gut 20 km südwestlich von Saarbrücken.

Diese Kirche ist abgeschlossen

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Église Farébersviller
Kirche von Westen
Église Farébersviller
Turm
Église Farébersviller
Kirche von Nordwesten
Église Farébersviller
Lourdes Grotte

Farébersviller St-Jean-Baptiste besuchen

Die Kirche St-Jean-Baptiste in Farébersviller ist normalerweise verschlossen. Als ich 2008 für eine Gruppe von Mitgliedern der englischen Round Tower Churches Society eine zweitägige Tour mit Besichtigungen von Kirchen im Saarland und in Elsaß-Lothringen organisierte, hatte ich mich an den Bürgermeister Laurent Kleinhentz (der übrigens noch immer im Amt ist!) gewandt, und gefragt, ob er dafür sorgen könne, daß die Kirche für uns geöffnet wird. Und das am Sonntagmorgen, weil dies so in unsren Zeitplan paßte. Nun, was wir dann erlebten, war sicherlich der Höhepunkte dieser Tour: er empfing uns persönlich gemeinsam mit dem Küster, und zeigte uns nicht nur die gesamte Kirche inklusive Turm und Dachgeschoß, sondern stellte uns auch Unmengen an Informationen über Farébersviller und die Kirche zur Verfügung, u.a. diverse Exemplare eines Buches, das er selbst geschrieben hatte, und Kopien alter Photos und Zeichnungen der Kirche, die Sie nun ein der Diashow oben sehen können.

Der nachfolgende Text, der die wechselvolle Geschichte der Kirche beschreibt, stammt von ihm: Von dem schönen romanischen Turm, auf den das Dorf bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs so stolz war, ist nicht mehr viel übrig. Die Kämpfe während der Befreiung und noch mehr Vandalismus haben diesen Zeugen von 800 Jahren Geschichte verunstaltet. Zwei Historiker, H. Gerlinger und H. Collin, haben den Turm untersucht und viel nützliches Material zusammengestellt, um den Kontext zu verstehen, in dem die Rundtürme der Region gebaut wurden. Aber das späte Datum ihrer Arbeiten, 1957 und 1981, die sich hauptsächlich auf eine nähere Untersuchung des Mauerwerks und weniger auf gedruckte Quellen stützten, ermutigte uns, die Untersuchung der Geschichte dieses Gebäudes wieder aufzunehmen. Die kirchlichen und kommunalen Archive aus dem 18. und 19. Jahrhundert - obwohl recht umfangreich - sagen uns nicht viel Konkretes über den Turm. Es scheint, daß in dieser Zeit keine größeren Arbeiten durchgeführt wurden. Die Aufzeichnungen der kanonischen Visitationen von 1698 erwähnen einen Turm "en etat" - also in einem "normalen" Zustand und 1751 "clocher solide et bien couvert" - also ein "solider und gut gedeckter" Turm. Im Jahr 1926 wurde die Schieferplatte der Kirchturmspitze ersetzt, ebenso die Kugel an der Basis auf der Spitze und der Wetterhahn. Die Kämpfe des Jahres 1944 verursachten große Brüche im oberen Teil des Turmes, der Schiefer und die alten Eichenrahmen des Daches wurden von Granatsplittern durchlöchert. Fotos aus dieser Zeit zeigen, daß diese Schäden alles andere als irreparabel waren, doch die Verantwortlichen vor Ort entschieden anders. 1945 wurde die Turmspitze herabgeworfen und das Obergeschoss des Turmes abgerissen. Der Wiederaufbau des Turmes 1956/57 führte zu einer Verunstaltung der Reste des Turmes (moderner Putz, Zerstörung der alten Gewölbetür, um die Glocken durchzulassen). Dies stand in deutlichem Gegensatz zur Meinung des Denkmalschutzamtes. Glücklicherweise gibt es noch Aufzeichnungen über die Maßnahmen des Abbé Toura und des Pfarrers Paris zwischen 1920 und 1927 sowie Fotos vor der Zerstörung des Turms und Zeitzeugen, die die Artikel der genannten Historiker ergänzen. H. Collin beschreibt den Turm als spätes 12. Jahrhundert und zählt diesen Turm zu den Rundtürmen der Region, wobei der Grund für ihre Existenz noch unklar ist. Im Jahre 1927 beschrieb der Pfarrer Paris das Bauwerk wie folgt: "An der Basis und in seinem unteren Teil rund, während der obere Teil achteckig ist. Die Wände sind einen Meter dick. An der Basis beträgt der Innendurchmesser 3,30 m. Die Höhe bis zur Basis der Turmspitze beträgt 15 m, während die Turmspitze selbst 10 m hoch ist. Das Kruzifix auf der Spitze des Turms ist 3 m hoch." Andere zuverlässige Quellen erwähnen eine Gesamthöhe von 27 m ohne das Kruzifix. Der ursprüngliche Turm hatte drei Türen. Diejenige, durch die man von außen eintreten konnte, hatte eine Breite von 1 m und eine Höhe von weniger als 2 m. Ihr schöner gewölbter Bogen wurde 1957 durch eine rechteckige Öffnung ersetzt. Eine zweite Tür ermöglichte den Zugang in das Kirchenschiff vom Turm aus. Dies war ursprünglich der einzige Eingang in die Wehrkirche bis 1758, als ein neues Kirchenschiff mit einem großen Eingang gebaut wurde. Die Tür wurde zugemauert und 1992 bei größeren Renovierungsarbeiten restauriert. Eine dritte Tür über dem Boden ermöglicht den Zugang in den Dachboden des Kirchenschiffs. Neben den drei Türen sind noch zwei Luken und drei kleine Schießscharten vorhanden, die den ursprünglichen Festungscharakter des Gebäudes unterstreichen. Der alte obere Teil des Turms hat Öffnungen in allen vier Himmelsrichtungen, um die Ausbreitung des Glockenklangs zu ermöglichen. Im Inneren des Turms ermöglichen zwei Holzplattformen, die mit einfachen Leitern verbunden sind, den Zugang zum Boden der Turmuhr und zu den Glocken.

Das heutige Kirchenschiff, das 1758/59 erbaut und während des Zweiten Kaiserreichs verbreitert wurde, ersetzte ein altes Gebäude, über das keine Aufzeichnungen existieren (Abmessungen, Anzahl der Fenster...). Sicher ist nur, daß die Größe des ursprünglichen Gebäudes die Bevölkerungsstruktur des Mittelalters widerspiegelte, die nicht der wachsenden Einwohnerzahl im 18. Jahrhundert entsprach. Beim Abriss des ursprünglichen Kirchenschiffs kamen heilige Reliquien zum Vorschein, die in den alten Altären verborgen waren, die 1302 von Reginald, dem 68. Bischof von Metz, geweiht wurden. Vikar Nitzel, berichtete, wie diese Reliquien in den neuen Hauptaltar "unter einem gewöhnlichen Stein in einem abgedeckten Zinntopf in Form einer mit roter Seide ausgelegten Schatulle" gebracht wurden; theoretisch müssten sie noch dort sein... Was "Reginald" (Renaud de Bar, Bischof von Metz 1302 bis 1316) betrifft: ist er wirklich im ersten Jahr seines Episkopats gekommen, um den Altar dieser Kirche zu weihen? Wenn ja, muß die Kirche kurz vor diesem Datum fertiggestellt worden sein, und vielleicht war dies chronologisch gesehen das zweite Kirchenschiff, das an den Rundturm aus dem 12. Jahrhundert angebaut wurde- Die Zerstörung der alten Altäre im Jahr 1758 beraubte uns der Beweise, die diesen Punkt hätten belegen können.

Fazit: verschlossene Kirche mit bewegter Geschichte

Église Farébersviller
Turm von Norden
Église Farébersviller
Blick in den Chor
Église Farébersviller
Wandgemälde
Église Farébersviller
Im Inneren des Turms